Telefon: 026 07 - 97 31 560 | E-Mail: mail@koenig-strategie.de

Aktuelles

Impulse, Gedanken und Beispiele für ein anderes Leben in einer komplexen Welt.
12
Dez

Eine Geschichte zum Advent

Der vorweihnachtlichen Hektik im Advent entfliehen

Ich bin in der Stadt unterwegs. Es ist Advent. Menschen kommen mir entgegen, kreuzen meinen Weg oder laufen hastig an mir vorbei. Eigentlich ist es schon dunkel, doch die üppige Weihnachtsbeleuchtung verbreitet einen bunten Lichterglanz. Von überall strömen Gerüche in meine Nase. Eukalyptus, Mandeln, Gebäck, Glühwein und Bratwurst sorgen für ein besonderes Geruchserlebnis. Das Weihnachtslied der Bläsergruppe wird von einem „Dreaming of a white Chrismas“ aus einer Lautsprecherbox übertönt. Das Wetter kann sich nicht entscheiden ob es regnen oder schneien soll. Ich spüre, wie die Kälte aus meinen Füßen langsam nach oben steigt. Es ist Zeit, mich auf den Heimweg zu machen und der Hektik des vorweihnachtlichen Trubels zu entfließen.

Plötzlich, ohne genau zu wissen, wie ich dahin gekommen bin, stehe ich vor einer Kirchentür. Die Kirche war mir bekannt, bewusst wahrgenommen hatte ich sie bisher aber nicht. Jetzt stand ich auf einmal direkt in der Eingangstür. Ohne weiter zu überlegen drückte ich die eiserne Türklinge herunter. Ihre Kälte durchdrang meine Handschuhe. Kräftig stemmte ich mich gegen die schwere Tür und trat in die Kirche.

 

Wie in einer anderen Welt

Innerhalb eines Augenblicks fühlte ich mich wie in einer anderen Welt. Ich hörte noch, wie die Tür, wie von Geisterhand bewegt, langsam zuging und das Schloss einrastete. Dann war es still. Ich trat in das halbdunkle Gebäude und ohne lange zu zögern nahm ich in einer Bank Platz. Wie gut es tat, zu sitzen, die kalten Füße auf die Fußbank zu stellen, tief ein- und auszuatmen und der pulsierenden Hektik zu entfliehen. Ich war alleine und wusste zunächst gar nichts mit mir anzufangen. Ich hatte keinen Termin, wurde zu Hause nicht erwartet. Schlagartig wurde mir klar: Ich hatte Zeit und nichts zu tun. So ließ ich mich in die besondere Atmosphäre der Kirche fallen und genoss die Ruhe, die sich auf meinen Körper übertrug. Langsam wurde mir die wahre Bedeutung von Advent klar.

Plötzlich hörte ich Geräusche. War doch jemand hier, ging es mir durch den Kopf. Ich blickte um mich und bemerkte, was mir bisher verborgen war. In einer Ecke, links neben dem Altar hatte man eine Krippe aufgebaut und die Arbeit soeben abgeschlossen. Die Menschen verließen die Kirche und ich war wieder allein. Ich wechselte meinen Platz, um der Krippe näher zu sein.

Sie war noch leer. Keine Hirten, keine Schafe, selbst Ochs und Esel waren noch nicht da. Sie sah aus wie viele andere Ställe, die ich von meinen Wanderungen kannte.

Doch ich bemerkte auch, dass von ihr etwas Besonderes ausging. Sie war vorbereitet – unscheinbar und einfach, barg sie ein Geheimnis. Ich spürte, dass hier etwas Besonderes passieren sollte. Wie mag es wohl damals, vor 2000 Jahren gewesen sein, ging mir durch den Kopf. Damals warteten die Menschen auf etwas. Ein König sollte geboren werden, wie es ihn bisher noch nicht gegeben hatte. Nicht einer, der die Menschen beherrschen wollte, sondern einer, der sie erlösen wollte, der Gutes tun wollte und von Liebe und Barmherzigkeit sprechen sollte.

 

Wonach suchen wir?

Worauf warten wir heute im Advent, fragte ich mich. Sicherlich nicht auf einen König. Doch möchten wir nicht auch ein Stück erlöst werden, von unserer Angst, von unserem Leid, von dem Druck, von Trauer oder Krankheit. Suchen wir nicht auch nach Liebe und Barmherzigkeit?

Damals haben die Menschen geglaubt. Sie haben aus der Kraft des Glaubens geschöpft und Hoffnung gewonnen. Woran glauben wir heute? Suchen wir unser Glück nicht zu oft an der falschen Stelle, im Konsum, im Internet oder im ausschweifenden Genuss.

Es bedarf nichts Großes, um etwas Großes entstehen zu lassen. Großes und Bedeutsames kann auch aus etwas Einfachem enstehen.

Der leere Stall bekam auf einmal eine ganz neue Bedeutung für mich. Er wurde zum Symbol für etwas, was kommen wird. In seiner Einfachheit bekam er eine besondere Ausstrahlung. Er zeigte mir, dass es nichts Großes bedarf, um etwas Großes entstehen zu lassen. Ich spürte auf einmal einen inneren Frieden in mir. Meine Füße waren warm geworden und diese wohlige Wärme hatte sich in meinem ganzen Körper ausgebreitet. Großes und Bedeutsames kann aus den einfachen Dingen im Leben entstehen, wenn wir nur daran glauben. Mit Mitgefühl, Achtung vor dem eigenen und dem Leben anderer, Offenheit gegenüber Fremden und der Glaube an die eigene Einzigartigkeit können wir Großes erreichen. Advent ist die Zeit der Ankunft. Wenn wir bereit sind und mit dem Herzen sehen, kann in jedem von uns etwas ankommen, so wie damals im Stall von Bethlehem.

Ich verweilte noch einen Moment in der Stille und stand dann auf, um zu gehen. Eine Gruppe Japaner kam mir entgegen. Ich lächelte sie an, grüßte freundlich und bekam es zehnfach zurück. Draußen war ich wieder von der Hektik umgeben. Ich war zufrieden, wusste ich doch, dass ich soeben etwas Besonderes erfahren hatte und Advent eine andere Bedeutung für mich bekam.

Hinterlasse ein Kommentar

You are donating to : Greennature Foundation

How much would you like to donate?
$10 $20 $30
Would you like to make regular donations? I would like to make donation(s)
How many times would you like this to recur? (including this payment) *
Name *
Last Name *
Email *
Phone
Address
Additional Note
paypalstripe
Loading...