FRANZ-JOSEF KÖNIG | STRATEGIEENTWICKLER | TELEFON: +49 (0)26 07-21 44 000 | MAIL an König-Strategie: Hier anklicken

Aktuelles

Impulse, Gedanken und Beispiele für ein anderes Leben in einer komplexen Welt.
10
Feb

Nachhaltigkeitsberichterstattung

Inhaltlich sind erhebliche Angaben zu Chancen und Risiken im Kontext der Nachhaltigkeit notwendig. Besondere Herausforderung ist die Erweiterung der Berichtsperspektive auch auf die Lieferkette sowie die Wirkung des Unternehmenshandelns auf die gesamte Umwelt (Inside-Out-Perspektive).

Die inhaltliche Fortentwicklung der nichtfinanziellen Berichterstattung wird alleine dadurch deutlich, dass nun von einer Nachhaltigkeitsberichterstattung („Sustainability Reporting“) gesprochen wird. Nach Meinung der EU-Kommission soll die Verfügbarkeit und Verbindung der finanziellen und nichtfinanziellen Aspekte, die Relevanz und Entscheidungsnützlichkeit der nichtfinanziellen Informationen stärken. Nach dem Vorschlag der EU Kommission sollen die Nachhaltigkeitsberichte insbesondere folgende Informationen beinhalten (Art. 19a Abs. 2 CSRD-Vorschlag):

(a) eine kurze Beschreibung des Geschäftsmodells und der Strategie des Unternehmens, einschließlich:

  • die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells und der Strategie des Unternehmens zum Umgang mit den Risiken im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsangelegenheiten;
  • die Chancen für das Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit Angelegenheiten;
  • die Pläne des Unternehmens, um sicherzustellen, dass Geschäftsmodell und Strategie mit dem Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft vereinbar sind und mit der Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C gem. dem Pariser Klimaschutzabkommen im Einklang sind;
  • wie das Geschäftsmodell und die Strategie des Unternehmens den Interessen der Stakeholder des Unternehmens Rechnung tragen und wie die Auswirkungen von dem Unternehmen in Nachhaltigkeitsfragen sind;
  • wie die Strategie des Unternehmens umgesetzt wurde in Bezug auf Nachhaltigkeitsaspekte;

(b) eine Beschreibung der Ziele in Bezug auf Nachhaltigkeitsthemen sowie Ergebnisse bei der Verwirklichung dieser Ziele;

(c) eine Beschreibung der Rolle der Verwaltung, des Managements und der Aufsichtsgremien in Nachhaltigkeitsfragen;

(d) eine Beschreibung der Politik des Unternehmens in Bezug auf Nachhaltigkeitsthemen;

(e) eine Beschreibung von:

  • der Due-Diligence-Prozess, der in Bezug auf Nachhaltigkeit wichtig ist;
  • die wichtigsten tatsächlichen oder potenziellen negativen Auswirkungen im Zusammenhang mit die Wertschöpfungskette des Unternehmens, einschließlich seiner eigenen Tätigkeiten, seiner Produkte und Dienstleistungen, seine Geschäftsbeziehungen und seine Lieferkette;
  • alle ergriffenen Maßnahmen und das Ergebnis solcher Maßnahmen, die um zu verhindern, tatsächliche oder potenzielle nachteilige Auswirkungen abschwächen oder beseitigen;

(f) eine Beschreibung der Hauptrisiken für das Unternehmen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsangelegenheiten, einschließlich der Hauptabhängigkeiten des Unternehmens von solchen Angelegenheiten und wie das Unternehmen diese Risiken handhabt;

(g) Indikatoren, die für die in den Buchstaben a bis f genannten Offenlegungen relevant sind.

Des Weiteren sieht die Entwurfsfassung der CSRD vor, dass die Unternehmen ihre qualitativen und quantitativen Informationen mit einem stärkeren Zukunftsbezug versehen sollen, wobei die Aussagen auch deutlicher getrennt werden sollen auf einen kurz-, mittel- und langfristige Zeithorizont.

Über gesamte Wertschöpfungskette muss berichtet werden

Es wird deutlich und für dann neu berichtspflichtige Unternehmen auch eine besondere Herausforderung, dass nicht nur das Unternehmen selber sondern die gesamte Wertschöpfungskette des Unternehmens, einschließlich seiner eigenen Tätigkeiten, seiner Produkte und Dienstleistungen, seiner Geschäftsbeziehungen und seiner Lieferkette im Fokus der Berichterstattung stehen. Somit dürften von dieser erweiterten Berichtspflicht auch viele kleine und mittelgroße bzw. auch große Unternehmen jeder Rechtsform zumindest indirekt betroffen sein, wenn sie nur Teil der Lieferkette sind und dann an ein berichtspflichtiges Unternehmen auch bestehende Risiken u.s.w. melden müssen, denn wie sollte das sonst darüber berichten können?

Immerhin ist geplant, dass berichtspflichtige Unternehmen von der Pflicht entbunden werden, im Rahmen ihrer übrigen Lageberichterstattung ebenfalls über nichtfinanzielle Leistungsindikatoren gem. § 289 Abs. 3 HGB (bzw. Art. 19 Abs. 1 der Bilanz-Richtlinie) zu berichten.

Wesentlichkeit: „Outside-In“ und „Inside-Out“

Eine der größten Herausforderungen der bisherigen CSR-Richtlinie stellt die Auslegung des im Richtlinientext enthaltenen Wesentlichkeitsgrundsatzes dar. Zu unterscheiden sind dabei einerseits die Wirkungen des Umfelds auf das Unternehmen („Outside-In“-Perspektive), die im Rahmen des Risikomanagement regelmäßig von Unternehmen überwacht werden sollten. Andererseits verlangt die EU nun aber eine Beachtung auch der Auswirkungen des Unternehmens auf sein Umfeld („Inside-Out“-Perspektive). Dies ist bislang kaum im Fokus der Berichterstattung. Die EU begründet dies, dass diese sog. externalisierten Effekte nicht notwendiger Weise eine finanzielle Auswirkung (d.h. „Outside-in“) auf das Unternehmen bedingen. Der bloße Wortlaut der CSR-Richtlinie legte eine Berichtspflicht aber nur für den Fall nahe, dass Informationen unter beiden Perspektiven als wesentlich zu beurteilen sind, wie es etwa auch der deutsche Gesetzgeber mit dem CSR-RUG explizit vorsah. Mit ihrem Nachtrag zu den Leitlinien für die nichtfinanzielle Berichterstattung vom Sommer 2019 versuchte die Europäische Kommission dieser Auslegung bereits entgegenzuwirken. Jetzt hat die Europäische Kommission mit der CSRD-Vorschlag nunmehr klargestellt, dass Unternehmen in Zukunft beide Perspektiven im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung gleichberechtigt abdecken müssen. Dies ist auch der Stand der Entwicklung bei bestehenden Rahmenwerken zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, wie der Global Reporting Initiative (GRI).

Praxis-Tipp: Inside-Out-Perspektive schon jetzt versuchen umzusetzen

In inhaltlicher Hinsicht bedeutet dies jedoch, dass der Umfang der Berichtsinhalte maßgeblich erweitert wird – und Unternehmen mit der Herausforderung konfrontiert sind, die als abstrakt und schwer quantifizierbar geltenden Auswirkungen einer „Inside-Out“-Perspektive genauer zu erfassen und in ihren Berichterstattungen abzubilden. Dies verursacht eine erhebliche Kostenbelastung, da dafür oftmals erst einmal geeignete Abbildungssysteme etabliert werden müssen. Es empfiehlt sich bereits jetzt mit den GRI, die einen beachtlichen und auch etwa von den DAX30-Konzernen mehrheitlich angewendeten Set an Standards veröffentlicht haben, auseinanderzusetzen und bereits ganz konkret mit der Einrichtung entsprechender Abbildungssysteme für die Unternehmenssteuerung – etwa für die Verbrauchsmessung, die CO2-Belastung von Produkten usw. zu beginnen. Dabei können klassische Abbildungssysteme als Vorlage dienen, etwa die Systematik der Kosten- und Leistungsrechnung für die Zuordnung von während der Produktion entstandenem CO2 auf die einzelnen Produkte. Zum Thema „Green Controlling“ gibt es zudem bereits vielfältige Ansätze. Dabei sollte von Anfang an konsequent auf die konvergente Ausgestaltung der Berichterstattung geachtete werden. Das IIRC fordert hier, dass ein integriertes Denken in die Geschäftspraxis aller Unternehmen eingebettet ist, was durch eine integrierte Berichterstattung als Unternehmensberichterstattungsnorm erleichtert wird.  Auch wenn die genauen Inhalte der Standardisierung des CSR-Richtlinienentwurfs noch nicht klar sind, dürfte die Befassung mit diesen Unterlagen bereits einen guten Einstieg in die Thematik ermöglichen, um den neuen Anforderungen an die Inhalte der Nachhaltigkeitsberichterstattung gewachsen zu sein.

Quelle: Haufe Verlag

Leave a Reply

You are donating to : Greennature Foundation

How much would you like to donate?
$10 $20 $30
Would you like to make regular donations? I would like to make donation(s)
How many times would you like this to recur? (including this payment) *
Name *
Last Name *
Email *
Phone
Address
Additional Note
paypalstripe
Loading...