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Ungebremster Wachstum führt zur Zerstörung der Natur
04
Apr

Wachstum und Nachhaltigkeit passen nicht zusammen

Wie können Unternehmen ohne Wachstum existieren?

Gerade habe ich das Buch „Überlebenswichtig“ von Leonardo Boff  an die Seite gelegt. Er zeigt darin auf, wo uns das ständige Streben nach Wachstum hinführt und dass es sich nicht mit einer solidarischen Ökonomie und mit Nachhaltigkeit in Einklang bringen lässt. Beides ist jedoch existentiell notwendig für unsere Zukunft. Dies stellt er unzweifelhaft in seinem Buch unter Beweis und empfiehlt erhöhte Achtsamkeit im Umgang mit der Natur. Jetzt fällt mein Blick auf eine Broschüre, die als Beilage aus einer Fachzeitschrift gefallen ist, die ich regelmäßig lese. Eine bekannte Business School preist darin ihre Seminare an. Beim Durchblättern fällt mir das Seminar „Erfolgreiche Wachstumsstrategien“ auf. Dort heißt es: „ Wachstum ist für die meisten Unternehmen ein Muss. Dieses Seminar zeigt Ihnen, wie eine ehrgeizige Wachstumsstrategie konzipiert und umgesetzt wird. Sie lernen, schneller zu wachsen als der Markt.“ Das Institut stellt zudem die Behauptung auf, dass nur nachhaltiges, rentables Wachstum gesund ist.

Gegensätzlicher kann es kaum noch sein. Boff zeigt uns die zerstörerische Wirkung des Wachstumsstrebens auf und deklariert, dass Nachhaltigkeit nicht mit steigender Rentabilität und Marktwachstum vereinbar sind. Der Seminaranbieter will seinen Teilnehmern Strategien für ungebremstes Wachstum vermitteln.

Es gibt keinen Kompromiss zwischen Nachhaltigkeit und Marktwachstum

Diese beiden widersprüchlichen Positionen fordern uns meines Erachtens zu einer klaren Positionierung auf. Da gibt es keinen Kompromiss oder ein sowohl als auch bzw. ein bisschen von allem. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat allein in Deutschland für das Jahr 2012 fast 100.000 Tote durch Umwelteinflüsse ermittelt. Herzkrankheiten, Krebs, chronische Krankheiten als Folge zunehmender Umweltverschmutzungen sind der Grund dafür sind. Wollen wir wirklich so weiter machen, wenn Männer, die nach wie vor die größte Gruppe der Unternehmenslenker darstellt, fast doppelt so häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden als Frauen und der Alkoholmissbrauch bei ihnen 5 mal höher ist.

Der zusätzliche Nutzen einer Wachstumskurve nimmt stetig ab. Der Aufwand, den wir betreiben müssen, um immer weiter zu wachsen wir immer höher. Er führt zu einem Raubbau, den wir an unserer Natur und an unserer Gesundheit betreiben und nimmt existenzbedrohende Formen an.

Doch was können wir tun? Wie sieht die Alternative aus? Gibt es Wachstum ohne Zerstörung?

Unser Geist wird uns dazu bringen, das Leben mehr zu lieben als das materielle Kapital, jeglichen Schaden von der Biosphäre abzuwenden und der Erde nur das zu entnehmen, was wir wirklich brauchen, um ein anständiges Leben zu führen.
Leonardo Boff

Die Natur lehrt und nachhaltige Unternehmensführung

Antworten auf diese Fragen finden wir in der Natur. Seit der Entstehung unseres Planeten findet Wachstum in der Natur statt. Es führt jedoch nicht zur Zerstörung, sondern hat zu einer enormen Artenvielfalt und zu einer ständigen Anpassung geführt. Wenn wir die Natur als ein Unternehmen betrachten, dann sorgt sie ständig für einen Ausgleich innerhalb der Interessengruppen, sie schafft Voraussetzungen für die Entwicklung aller, sichert ausreichend Nahrung und hält einen Kreislauf in Gang, in dem es keinen Abfall und keine Verschmutzung gibt. Die Natur hat nicht Wachstum zum Ziel. Wachstum dient hier dem reinen Selbsterhalt und dem der Lebewesen, die die Natur in ihrer Gesamtheit ausmacht.

Auf ein Unternehmen übertragen bedeutet dies, dass es die persönliche Entwicklung für alle Beteiligten, also Eigentümern, Geschäftspartnern, Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden als ein zentrales Ziel verfolgt. Es stärkt sie bei der Verwirklichung eines werteorientierten Lebens auf der Grundlage von Respekt und Wertschätzung. Es bietet Produkte und Dienstleistungen an, die dem Menschen dabei unterstützen, ein nachhaltig ausgerichtetes Leben zu führen. Es achtet auf den Erhalt der Natur. Das was es verbraucht, stellt es wieder her. Das, was es nutzt, pflegt es und hält es in einem guten Zustand. Das, was es verschmutzt, reinigt es wieder bzw. sorgt dafür, dass die selbstreinigenden Prozesse des Systems stabilisiert werden.

Während ich diese Zeilen schreibe, stelle ich mir ein solches Unternehmen vor. Dazu brauche ich eine gute Portion an Phantasie und Kreativität. Ich kenne Unternehmen, die sich auf den Weg gemacht haben und an der Realisierung dieser Vision arbeiten. Wenn ich selbst mein Denken und mein Handeln hinterfrage und es an diesem Anspruch messe, stelle ich fest, wie weit der Weg ist, der auch vor mir noch liegt. Ich weiß jedoch auch, wie wichtig es ist, ihn zu gehen und mich auch an den kleinen Erfolgen zu erfreuen, die ich dabei erziele. Mein Vertrauen in die Zukunft ist zudem geprägt von der Hoffnung, dass es immer mehr Menschen geben wird, die aktiv Widerstand gegen alles leisten, was unsere Lebensqualität bedroht.

Meine persönlichen Nachhaltigkeitsziele:

  • Energieverbrauch senken, vor allem durch Reduzierung des Benzinverbrauchs
  • Regionale und fair gehandelte Produkte kaufen
  • Auf Qualität und lange Nutzungszeiten von Gebrauchsgütern und Kleidung achten
  • Achtsamkeit beim Konsum – keine Impulskäufe
  • Plastikmüll reduzieren
  • Unterstützung gemeinnütziger Organisationen

Merkmale nachhaltiger Unternehmen:

  • Unternehmensziele orientieren sich an der Förderung und Entwicklung von Kompetenzen und nicht an Rendite und quantitativem Wachstum
  • zufriedene Mitarbeiter, geringe Fluktuation und geringe Krankheitsraten
  • hoher Anteil an Stammkunden
  • ökologisch zertifizierte Produkte, die unter Berücksichtigung von Umweltstandards hergestellt werden, recyclebar oder wiederverwertbar sind
  • geringer Energieverbrauch, der durch erneuerbare Energie sichergestellt wird
  • geringer Flächenverbrauch, wenig Bodenversiegelung
  • sachliche, fundierte Informationspolitik statt konsumorientiertes Marketing
  • Unterstützung sozialer Projekte vor Ort

3 Kommentare

  1. Eine Abkehr vom Wachstumsprimat wäre ein echter Paradigmenwechsel in der Wirtschaft. Es wird so viel von gesunder Führung gesprochen – wenn wir das ausdehnen auf gesunde Unternehmensführung, gesundes Wirtschaften, dann kann Wachstum gar nicht mehr im Vordergrund stehen. Dann kommen wir zur Nachhaltigkeit. Danke für den Artikel und die Buchempfehlung!

  2. Vielen Dank Herr Franz-Josef König für Ihren „Koenigsweg“. Der technologische Fortschritt wird uns demnach nicht retten, wenn wir nicht auch zeitgleich eine Veränderung im Bewusstsein aktivieren. Dazu passt ein Zitat von Norman Wolfe gut: „Es gibt ein natürliches Maß von Wachstum, das mit der Expansion des Universums übereinstimmt. Unser momentanes Wachstum ist nicht nur nicht nachhaltig, sondern wird auch zu einem natürlichen Ausgleich führen. Werden wir diesen Ausgleich bewusst herbeiführen oder muss das Universum diesen Ausgleich erzwingen?“ Um so schöner war es beim Lesen auch Ihre persönlichen Verhaltensänderungen nachvollziehen zu dürfen.

    1. Franz-Josef König

      Vielen Dank für ihre Kommentare. Ich hoffe, wir schaffen den Turnarround noch rechtzeitig. Leider zeigen vielen Entwicklungen das Gegenteil auf und ich stelle mir die Frage, wie es dann weiter geht. Wenn wir die Folgen des Wachstums nicht verhindern können, werden wir lernen müssen, damit zu leben. Die Ankunft der Flüchtlinge ist das erste Lehrstück. Ich halte den Bewußtseinswandel auch für erforderlich. Doch wie sieht der konkret aus? Darüber werden wir zukünftig sicherlich noch an den unterschiedlichsten Stellen debattieren und dann hoffentlich auch ins Handeln kommen

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