Zukunftsängste – Entstehung, Klärung und Vermeidung

Zukunftsängste - wie wir sie vermeiden können

Wie wir der Angstfalle entkommen, negatives Denken vermeiden und positives stärken können.

„Wir haben doch alle Zukunftsängste.“ Diese Bemerkung einer jungen Frau in einer Beratung ließ mich aufschrecken. Nachdem ich dazu recherchiert hatte, musste ich ihr mehr oder weniger recht geben. Die Statistiken zeigen eine Zunahme an Zukunftsängsten vor allem bei jüngeren Menschen. Aber auch Ältere sind davon betroffen. Klimaangst, Angst vor Kriegen, der Verlust an Wohlstand und die Aussicht auf ein Leben voller Unsicherheiten verstärken die Zukunftsangst. Ältere Menschen haben Angst vor Altersarmut und vor der Möglichkeit, ein Pflegefall zu werden. Oft ist dieses Angstgefühl jedoch überzogen und führt zu einem Verlust an Lebensfreude in der Gegenwart. Die Vorstellung von existenzbedrohenden Ereignissen in der Zukunft, deren Eintrittswahrscheinlichkeit zwar sehr gering ist, schüren Zukunftsängste, die meist unbegründet sind. Wo kommt diese Angst her, habe ich mich gefragt. Eine wesentliche Ursache ist die Negativitätsverzerrung, die uns in die Angstfalle tappen lässt.

Zukunftsängste und Negativitätsverzerrungen verhindern das positive Denken

Negativitätsverzerrung bedeutet, dass das Negative höher bewertet wird als das Positive. Wenn wir z. B. 1.000,00 Euro verlieren, löst das stärkere negative Gefühle aus, als wir positive Gefühle empfinden, wenn wir die gleiche Summe gewinnen. Dieses Verhalten ist evolutionsbedingt. So war es in der frühen Entwicklung des Menschen ein sinnvoller Mechanismus, Gefahren und negatives schnell zu erkennen und zu reagieren. Positive Ereignisse hingegen hatten eine wesentlich geringeren Einfluss auf das Überleben.

Fokussieren auf Negatives verhindert ein glückliches Leben

Heute fühlen wir uns durch die Flut an negativen Nachrichten über Kriege, Klimakatastrophen und andere Bedrohungen ständig Gefahren ausgesetzt, die wir überbewerten. Die daraus entstehende Angst führt uns in eine Angstfalle. Diese subjektiven Negativitätserlebnisse verstärken einander, steigern die Angst und verringern unsere Resilienz. Selbst wenn wir dann etwas Positives erkennen, zweifeln wir an dessen Existenz, da es nicht in unsere Welt der negativen Ereignisse passt. Über 90 Prozent der Szenarien, die uns Angst machen, so fanden Wissenschaftler jedoch heraus, werden wahrscheinlich nicht eintreten. Die Sorgen und Ängste sind also deutlich abstrakter und ein übermäßiger Fokus auf das Negative macht das Führen eines glücklichen Lebens und das Treffen guter Entscheidungen schwerer.

Zukunftsängste lähmen

Wenn sich Zukunftsängste steigern, können sie zu einem Problem werden. Es besteht die Gefahr, dass wir nicht mehr tun können, was uns wichtig ist. Wir haben das Gefühl, unsere Ziele nicht mehr erreichen zu können und wir haben Angst vor der Zukunft.

Unsicherheit verstärkt die Angst

Ein weiterer Angstverstärker ist das Gefühl der Unsicherheit. Unsere Vorstellungen von der Zukunft geraten ins Wanken und Gewohnheiten funktionieren nicht mehr. Unser Zukunftsbild löst sich auf und uns fehlt die Kreativität, etwas Neues zu entwickeln.

Angst blockiert das Gestalten der Zukunft

Eine starke Konzentration auf das Negative, das Gefühl der Unsicherheit und die daraus entstehende Zukunftsangst führen zudem zu einer Blockade in unserem Denken. Dadurch verpassen wir die Möglichkeit, unsere Zukunft positiv zu gestalten.

Soziale Systeme verstärken Zukunftsängste

Eine dieses Phänomen verstärkende Rolle spielen die sozialen Medien. Da auch hier die negativen Berichte weit höhere Klickzahlen erzielen als die positiven, verbreiten sich diese wesentlich schneller mit hohen Reichweiten. Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen bezeichnet die sozialen Systeme als Wutsysteme, dessen Nachrichten sich nicht auf Relevanz, sondern ausschließlich auf Interessantheit beziehen. Verbreitet wird also nicht was relevant ist, sondern was auf hohes Interesse stößt. Der Wahrheitsgehalt ist dabei zweitrangig.

Die digitale Welt überfordert uns

Sind wir dieser Negativitätsverzerrung hilflos ausgeliefert? Natürlich nicht – wenn wir das Phänomen verstanden haben, können wir etwas gegen Zukunftsängste tun. Zunächst müssen wir erkennen, dass unser analoges Gehirn noch lange nicht auf die digitale Welt eingestellt ist. Doch wir sind der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie nicht schutzlos ausgeliefert.

Acht Tipps zur Vermeidung von Zukunftsängsten

1. Kritisches Denken relativiert Zukunftsängste

Um Zukunftsängste zu relativieren und um wieder zu Gestaltern unseres Leben zu werden, können wir einiges machen. Wir können unser kritisches Denken trainieren. Das sollte idealerweise schon in der Schule beginnen. Nachrichten, die uns zugespielt werden, sollten wir hinterfragen. Wie seriös ist die Quelle? Auf welchen Fakten beruht die Nachricht? Was ist das Motiv des Absenders, diese Nachricht zu verbreiten? Inwieweit möchte der Absender das Verhalten des Nachrichtenempfängers manipulieren?

2. Ängste kritisch hinterfragen

Ängste sollten wir unbedingt hinterfragen. Wie sind sie entstanden? Welche Geschichten wurden uns erzählt und wie glaubhaft sind sie? Inwieweit ist der Einzelne betroffen? Droht eine unmittelbare Gefahr und wenn ja, wie sieht die aus? Beruht das der Angst zugrunde liegende Szenarium auf Fakten oder auf Glauben?

3. Geistige Flexibilität hilft gegen Angst

Zudem sollten wir immer wieder unsere Einstellung prüfen. Wir können sie jeden Tag neu wählen. Jede Entwicklung hat immer mehrere Aspekte. Vieles, was uns anfangs negativ erscheint, hat auch eine positive Seite. Wir brauchen mehr denn je eine geistige Elastizität und eine Flexibilität. Mir gefällt in diesem Zusammenhang das Bild vom Bambus, der sich dem Sturm anpasst, wo hingegen die Eiche umgeworfen wird.

4. Positives und Negatives gleichwertig betrachten

Weiterhin hilft es, gezielt nach dem Positiven zu schauen. Ich kenne Menschen, die ein Glückstagebuch führen, in dem sie ihre positiven Erlebnisse regelmäßig aufschreiben. Wer einmal eine Zeit lang jeden Tag aufschreibt, was er am Tag Positives erlebt – und da gehört für mich bereits der frisch gebrühte Kaffee am Morgen dazu – wird feststellen, dass diese Ereignisse die Zahl der negativen deutlich überschreiten.

5. In Lösungen statt in Problemen denken

Wäre es nicht auch wesentlich hilfreicher, in Lösungen, statt in Problemen zu denken? Je länger wir ein Problem diskutieren, desto mehr verfestigt es sich und umso schwerer wird uns die Lösung fallen. Banal gesagt, ich kann mich lange damit beschäftigen, warum ich vergessen habe, die Eier zu kaufen. Viel einfacher ist es, beim Nachbarn zu fragen, ob er mir Eier ausleihen kann.

6. Orte des Vertrauens schaffen

Zukunftsängste entstehen auch aus Unsicherheit über die Zukunft. Um dieser Unsicherheit entgegenzutreten gilt es, Orte der Sicherheit und des Vertrauens zu schaffen, in denen wir über unsere Ängste mit anderen sprechen können. Das kann die eigene Familie, ein Freundeskreis oder die Schule sein. Ich habe im Jahr 2022 zu diesem Zweck eine Männergruppe gegründet. In meiner Beratung erlebe ich zudem häufig, wie gut es Menschen tut, wenn ihnen jemand zunächst einmal nur vertrauensvoll zuhört.

7. Nachrichtenkonsum dosieren

Eine gut dosierte Nachrichtenabstinenz hilft ebenfalls bei der Reduzierung der Zukunftsängste. Meine persönliche Stimmung verbessert sich erheblich, wenn ich früh morgens und abends keine Nachrichten mehr aufnehme. Morgens sind wir sehr empfänglich und abends nehmen wir Negatives mit in den Schlaf, mit entsprechenden Folgen. Wir brauchen eine gute Balance zwischen der Notwendigkeit, uns über das Geschehen in der Welt zu informieren und der Selbstfürsorge. Ständiges Konsumieren von Nachrichten ist schädlich, vollkommene Isolation ist realitätsfremd.

8. Durch Meditation den Umgang mit Ängsten lernen

Mein letzte Empfehlung lautet: tägliche Meditation. In der Meditation tauchen die vielen Gedanken und Ängste auf, die wir uns machen. Hier kann ich lernen, sie kurz anzuschauen und sie dann wieder vorbeiziehen zu lassen, wie Züge, die in einem Bahnhof an mir vorbeifahren. Mit regelmäßiger Meditation lerne ich, meine Gedanken bewusst zu steuern. Diese Erfahrung lässt sich dann in den Alltag übertragen.

Diese Empfehlungen zeigen, wie wir uns vor der Angstfalle schützen können. So können wir, trotz widriger Umstände, Gestalter unseres Lebens bleiben und die kleinen und großen Freuden genießen, die uns das Leben bereitet.

Franz-Josef König bietet Begleitung, Beratung und Trainings an. Er hat sich auf die Bereiche Leben/Partnerschaft, Beruf/Karriere und Krankheit/Krisen spezialisiert. Ehrenamtlich engagiert er sich in der Männerarbeit. Ansonsten richtet sich sein Angebot an Menschen, die auf der Suche nach Orientierung sind. Die Klärung von Zukunftsängsten gehört mit zu seinem Beratungsangebot.

Mehr erfahren Sie unter www.koenigsweg.de